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Chasing Ted
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Geschrieben am 17.09.2009 - 16:39:54
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RE: Chasing Ted

FREMDE

Sie hatte ihn ins Retro geschleppt, einen Club, der anscheinend vor kurzem erst hier am Pioneer Square eröffnet hatte, denn man konnte neben Rauch, Alkohol und Schweiß auch noch einen Hauch von frischer Farbe in der Luft wahrnehmen.

Chiara schien sich hier sofort heimisch zu fühlen. Sie schäkerte bereits am Eingang mit dem Türsteher und steuerte dann schnurstracks auf die Bar zu. „Um sich einen Überblick zu verschaffen,“ wie sie Ted, über den Lärm der Musik hinweg, erklärend ins Ohr schrie. Als sie sich darauf jedoch umwendete, schien sie ihn bereits wieder vergessen zu haben. Sie winkte ein paar stämmigen Kerlen, die an der Bar saßen. Als diese, scheinbar freudig überrascht, zurück winkten, musste er sich beeilen, um nicht von ihr abgehängt zu werden. Ja, Chiara schien der Laden hier ernsthaft zu gefallen.

Im Gegensatz dazu fühlte Ted sich hochgradig unwohl. Chiara hatte ihn schließlich überredet, Turnschuhe, eine schwarze, weite Jeans und das hellblaue HERO-T-Shirt anzuziehen. Und er kam sich lächerlich darin vor. Er hatte es nach langem Hin und Her lediglich angezogen, um ihr etwas zu beweisen. Was das genau war, fragte er sich inzwischen selbst. Wohl hatte er sich in diesem Aufzug von der ersten Sekunde an nicht gefühlt.

Nervös rauchte er eine Zigarette nach der anderen. Immer wieder blickte er sich um. Viele der Menschen hier waren ihm nicht besonders geheuer. Viel zu viel Alkohol machte die Runde. In einer dunklen Ecke meinte er sogar ein paar zwielichtige Gestalten mit illegalen Drogen handeln zu sehen. Nervös versuchte er, nicht hin zu sehen. Sein Blick wanderte von einer Ecke in die andere. Alkohol, Gewalt, halbnackte Frauen,...

Er spürte seinen Puls heftig zur schnellen Musik pochen. Die Luft im Club wurde mit einem Mal heiß und stickig. Das Atmen fiel Ted schwerer denn je. Panik stieg in ihm auf. Stolpernd rempelte er auf seinem hastigen Weg nach draußen immer wieder Leute an. Eine gemurmelte Entschuldigung folgte auf die andere. Ted sah bereits flimmernde Sternchen vor seinen Augen tanzen.

Schließlich füllte die kühle Nachtluft seine Lungen, als er mit einem Mal spürte, wie ihn jemand unsanft am Kragen packte. Kraftlos ließ er sich ein paar Meter auf die Seite ziehen. Er kämpfte immer noch gegen die in ihm aufsteigende Schwärze an. Auch wenn er die wütenden Schreie über das Tosen in seinen Ohren nur erahnen konnte, konnte er nichts dagegen tun. Wie eine Marionette, deren Fäden durchgeschnitten worden waren, hing er im Griff des Anderen.

Bunte Lichtpunkte flackerten vor seinen Augen. Das Rauschen in seinen Ohren übertönte sogar sein pochendes Herz. So schlecht hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, kniff er nur noch entschlossen die Augen gegen die Schwärze zu. Er suchte fieberhaft seine Harmonie-Landschaft zu finden. Er musste sich beruhigen! Heftig rang er nach Atem.

Als es ihm endlich gelang, zwei tiefe Atemzüge zu nehmen, stellte sich auch eine seltsame, träge Ruhe in ihm ein. Sein Körper fühlte sich leicht an – irgendwie schwerelos... Als er die Augen öffnete, stellte er fest, dass er seine Umgebung wieder klar wahrnahm. Er war erstaunt, dass er sich immer noch draußen vor dem Club Retro befand. Seinem Gefühl nach schwebte er irgendwo schwerelos im Raum.

Verwundert spürte er, wie er seine Hände zu Fäusten ballte. Wie in Trance schien er sie zu heben und zielsicher in die Magengrube des Anderen zu versenken, welcher Ted auch prompt los ließ. Ted fühlte, wie seine Füße sich in Bewegung setzten – sicher, entschlossen – zurück in den Club hinein.

Vorsichtig lehnte er sich nicht weit von der Tür entfernt an die Wand und ließ seinen Blick über die Leute wandern. Es war ein wenig voller geworden; die Luft im Raum fühlte sich gegenüber draußen um noch ein paar Grad wärmer an. Die illegalen Geschäfte in der dunklen Ecke schienen besser denn je zu laufen. Als Ted abermals den Kopf abwenden wollte, gelang es ihm nicht. Gebannt sah er zu, wie kleine Tüten mit verschiedensten Pillen den Besitzer wechselten.

Gerade als er merkte, dass sich sein Körper in eben jene Richtung in Bewegung setzen wollte, verstummte die Musik und die Lichter im Raum gingen an. Aus dem Augenwinkel beobachtete er noch, wie hastig Tütchen weggepackt wurden, außer Sicht. Eine Stimme, die wohl dem hauseigenen DJ gehörte, tönte über die Lautsprecher. Doch als Ted den Worten zuhören wollte, kam Chiara mit leuchtenden Augen auf ihn zu.

„Ted, da bist du ja,“ sagte sie etwas lauter als nötig. „Hab dich schon gesucht. Komm, heut ist Karaoke-Nacht.“ Mit diesen Worten griff sie sich sein Handgelenk. Ihre Hand fühlte sich warm und verschwitzt an. Erst jetzt fiel Ted die Flasche Bier in Chiaras anderer Hand auf. Wie eine Puppe ließ er sich von ihr mitziehen in Richtung der kleinen Bühne, wo schon ein paar Leute ihre Namen auf eine Liste setzten. Als er Chiara ansah, sprach sie hastig weiter, „Komm schon, wir singen was zusammen.“

Was sollte er? Singen? Nein! Vor allen Leuten? Niemals! Mit Chiara zusammen? Oder vielleicht... Ted konnte die Schwärze schon beinahe spüren, wie sie ihn erneut übermannen wollte. Trotzdem hörte er sich selbst antworten, „Okay,“ und spürte ein Grinsen auf seinem Gesicht. Wieso tat er das nur? Wieso konnte er Chiara nur so schwer etwas abschlagen, wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte?



Fortsetzung folgt...


Charlie Kaufman: Here you go. The killer's a literature professor. He cuts off little chunks from his victims' bodies until they die. He calls himself "the deconstructionist".
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Geschrieben am 20.09.2009 - 15:32:51
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RE: Chasing Ted

GEWISSEN

Einer der vielen kleinen Parks der Stadt. An einem verregneten Nachmittag wie diesem konnte man gerade noch das Meer sehen, das keine 200 Meter weiter in unruhiger und unablässiger Bewegung das Land ablöste. Der strömende Regen brachte eine befremdliche Ruhe, die die Geräusche der Großstadt um einen herum zu ertränken schien.

Auf einer kleinen Bank unter einer ausladenden Fichte saß Dr. Ethan Gaetano, der dunkle Trenchcoat bereits durchnässt, und wartete. Immer wieder sah er auf seine Armbanduhr, blickte auf, versuchte durch den dichten Regenvorhang etwas zu erkennen, und sah erneut auf die Uhr.

Anfangs nichts als ein dunkler Schemen, wurde schließlich eine Gestalt sichtbar, die gemächlich auf den Psychologen zu geschlendert kam.

„Du bist spät.“ Gaetano stand von seinem Platz auf der Bank auf und machte einen Schritt auf sein Gegenüber zu.

„Ich weiß. Aber es war gar nicht so einfach, in Ruhe weg zu kommen.“ Chiara Garibaldi schob sich die schwere Kapuze ein wenig aus dem Gesicht und sah Gaetano herausfordernd an. Dann grinste sie unvermittelt und setzte sich auf den frei gewordenen Platz.

Gaetano antwortete darauf nicht, sondern beobachtete Chiara lediglich aufmerksam. In seinem Blick lag eine Spur unruhigen Misstrauens, die die Andere jedoch gänzlich ignorierte. Schließlich setzte auch Gaetano sich wieder, ließ seinen Blick jedoch über das triste Grau des Strands schweifen. „Also, warum hast du mich hierher bestellt?“

Auch Chiaras Blick ruhte nun auf den fernen Wellen, während sie mit ruhiger Stimme sagte, „So kurz angebunden, Ethan?“ In ihren Augen blitzte kurz der Schalk auf, bevor sie wieder ernst wurde. „Also, es geht um Ted. Aber das hast du dir sicher schon gedacht.“

Mit düsterer Miene zündete sich Gaetano eine Zigarette an. „Ja, das dachte ich mir schon. Was wollt ihr diesmal? Habt ihr nicht inzwischen schon genug in seinem Leben herum gepfuscht?“

„Du weißt genauso gut wie ich, dass ich dir nichts sagen kann.“ Chiara senkte kaum merklich den Kopf. „Und glaub ja nicht, dass ich mir nicht auch Sorgen um Ted mache!“

„Wieso gibst du dich dann mit diesen Leuten ab, cara? Ich meine, eine junge Frau wie du... Ein anderer Arbeitgeber als la Familia kann doch nicht so schwer zu finden sein.“ Gaetanos Ton bei diesen Worten war bitter.

„Das gleiche könnte ich dir sagen.“

„Um Himmels Willen, Chiara, du weißt, ich habe keine Wahl.“

„Warum? Weil sie es waren, die damals deine Frau umgebracht haben?“ Chiaras leidenschaftsloser Ton machte ihre Worte nur noch schneidender.

Gaetano erwiderte nichts darauf, sondern starrte lediglich durch den Regen in die Ferne. Er vermied es, Chiara auch nur aus dem Augenwinkel anzusehen. Seine Hand zitterte, als er die Zigarette erneut an die Lippen führte.

Chiara jedoch wandte sich ihm nun zu. „Ethan, ich will nicht mit dir streiten.“ Ihr Ton war beinahe vorwurfsvoll. „Ich hab dich hierher bestellt, weil ich dich bitten will, Ted nicht mehr zu behandeln.“ Als von Gaetano immer noch keine Antwort kam, fuhr Chiara fort, „Hör zu, ich weiß auch nicht, was hier eigentlich genau läuft. Aber Ted ist unausgeglichener denn je. Und der Chef hat mich auch schon darauf hingewiesen, dass er seit er bei dir ist so wenig wie nie zuvor arbeitet... Ich will einfach nicht, dass ihm was passiert.“

„Oh, ist es deshalb, dass du seit Jahr und Tag in seinen Aufzeichnungen stöberst, und dass du ihm für den Chef hinterher schnüffeln darfst? Chiara, der Junge hat schwerwiegende Probleme! Er mag ein Genie sein, aber er ist psychisch labil. Seine psychosomatischen Blackouts, seine Ohnmachtsanfälle, Nikotinsucht, Herzrasen,... Und wahrscheinlich ist er autoaggressiv noch dazu. Und du willst nicht, dass ihm was passiert?“ Gaetano war mit jedem Wort lauter geworden, doch dämpfte der immer noch stärker werdende Regen wie im Hohn alles Gesagte.

Chiara schwieg. Ihr undurchdringlicher Blick war auf ihre Stiefel gerichtet. Es verging eine ganze Weile, bevor sie schließlich wieder aufsah, die Augen gefährlich verengt, ihr Blick direkt auf Gaetano ruhend, ihre Stimme drohend. „Ich hoffe nur für dich, dass du mich hier nicht ver*******en willst.“ Damit stand sie abrupt auf und ging.

Gaetano blieb noch lange sitzen und sah ihr hinterher.



Fortsetzung folgt...


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Geschrieben am 21.09.2009 - 19:32:36
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RE: Chasing Ted

TREFFEN

Harmonie. Ruhe. Entspannung. Seine eigene kleine Landschaft. Da war sie wieder. Er lag eine Weile nur so da, die Augen geschlossen, den Atem bewusst tief. Dann stand er inmitten der alten Burgruine, die er erschaffen hatte.

Ja, hier konnte er sich entspannen. Den Tag noch einmal verarbeiten und dann erst einmal ruhen lassen. Es fing an, zögerlich aber in dicken Tropfen zu regnen. In jedem dieser Tropfen spiegelte sich eine Szene des Tages, der hinter ihm lag. Ein Tropfen Chiara. Ein anderer sein Labor. Wieder ein anderer Chiara zu einem späteren Zeitpunkt... Ted suchte unter dem überhängenden Dach der Reste eines kleineren Gebäudes eine trockene Stelle aus, setzte sich mit dem Rücken zur Wand und beobachtete friedlich die Tropfen. Wie Regen die Luft säubert und den Boden und die Pflanzen darin für neues Wachstum vorbereitet, so säuberte dieser Regen auch Teds Geist und bereitete den Grund für neue Erfahrungen, einen neuen Tag.

Er wusste nicht, wie lange er dort gesessen und all die Tropfen beobachtet hatte, als er durch den Schleier des Regens eine Gestalt ausmachen konnte, die auf ihn zu kam. Eine Gestalt? In seiner Harmonie-Landschaft? War das möglich? Ted fragte sich, ob er vielleicht im Laufe des Beobachtens bereits eingeschlafen war.

Die Person, die da auf ihn zu kam, stellte sich als ein junger Mann, etwa im gleichen Alter wie Ted, heraus. Er sah schlank und muskulös aus, hatte kurzes, stacheliges braunes Haar und trug ein offenes rotes Hemd, darunter einen schwarzen, körpernah geschnittenen Rollkragenpullover (der das Licht auf seltsame Weise zu absorbieren schien), und eine auf den ersten Blick leicht verwaschen aussehende Bluejeans. Seine Augen waren von einer spiegelnden Sonnenbrille verdeckt, doch Ted konnte sehen, dass sie blaugrau waren, als der Fremde vor ihm stehen blieb und die Brille abnahm.

„Was suchst du hier?“ fragte Ted vorsichtig. Der Andere sah stärker aus, und er meinte ein gefährliches Funkeln in seinen Augen sehen zu können.

„Wenn ich das wüsste,“ erwiderte der Andere gereizt, und mit einem abschätzigen Blick fuhr er fort, „Und du? Was suchst du hier? Mitten in der Pampa und im Regen? Wer zum Teufel bist du überhaupt?“

Ted war verwirrt. Dieser Typ schien nicht nur gefährlich, sondern im Moment auch schlecht gelaunt. Außerdem kam er ihm irgendwie bekannt vor. Auch wenn das seine Fragen, die ihm alle gleichzeitig in den Kopf geschossen kamen, nicht einmal ansatzweise beantwortete, beschloss er, sein Gegenüber nicht noch weiter unnötig zu reizen. „Mein Name ist Theodore.“

Der Andere schien ein Lachen unterdrücken zu müssen, und meinte mit spöttisch gekünsteltem Oxford-Akzent, „Theodore...“ Mit breitem Grinsen fuhr er fort, „Was ist das denn für ein Name? Nennen dich die Leute wirklich so?“

Das war genug Beleidigung gewesen. Jetzt reichte es. Schluss mit lustig! „Ob du es glaubst oder nicht, das ist der Name, den mir meine Eltern gegeben haben, ja.“ Ted musste unerwartet schlucken, um dem Kloß vorzubeugen, der sich in seinem Hals zu bilden drohte. Etwas leiser meinte er noch, „Das ist das Einzige, das mir von ihnen geblieben ist.“ Und auch das Einzige, an das er sich klar erinnern konnte. Nicht einmal die Namen seiner Eltern weckten irgend einen Funken der Wiedererkennung in ihm, auch wenn er nicht daran zweifelte, dass die Angaben in seinen Personalakten korrekt waren. Doch das alles wollte er niemandem, und schon gar nicht diesem Typen, unter die Nase reiben.

Das Grinsen des Anderen löste sich in einen ernsten aber unbarmherzigen Gesichtsausdruck auf. „Du bist also Waise? Eins sag ich dir: Sei froh, wenn du so gute Erinnerungen an deine Eltern hast.“

Was das zu bedeuten hatte, wusste Ted nicht. Und sein Gegenüber schien nicht gewillt zu sein, eine weitere Erklärung abzugeben. Hinter seinen harten, stahlblauen Augen schien ein unerbittliches Feuer zu lodern, und seine Miene war mehr als undurchsichtig. Ted wusste, eigentlich müsste er lügen. Doch er hatte das Bedürfnis, bei der Wahrheit zu bleiben, nur um dem Anderen klar und deutlich anzuzeigen, dass er besser war. Ganz egal, was der Andere dann denken mochte, Ted hätte Satisfaktion. „Das...“ Der Kloß in seinem Hals war hartnäckiger, als Ted angenommen hatte. Er schluckte ein paar mal in rascher Folge, bevor er erneut ansetzte. „Das bin ich auch, auch wenn es mehr ein Gefühl als wirkliche Erinnerungen ist.“ Nun, da es heraus war, schämte Ted sich dafür. Sicher, er war noch sehr jung gewesen (zumindest hatten ihm die Schwestern im Waisenhaus das immer wieder bestätigt), trotzdem empfand er all das als eine Schande, einen nie ganz greifbaren Verlust.

Ted konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, aufzuspringen, als der Andere noch näher auf ihn zukam und sich neben ihn unter das Vordach setzte. Ohne davon in irgendeiner Weise Kenntnis zu nehmen oder ihn auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen, meinte er nur, „Du kannst mich Chase nennen, Kleiner,“ und blickte hinaus in den Regen.

Chase, was war das denn für ein Name? Ted wollte diesen Gedanken besser nicht laut aussprechen. Und Kleiner? Hatte sich Ted so sehr verschätzt, oder sollte er froh sein, dass ihn der Andere nicht mit Freak oder Idiot angeredet hatte? Er zuckte die Schultern. Wie dem auch sei, Chase hatte ihn nicht angegriffen, und diesen Zustand wollte Ted lieber erhalten.

Eine Zeit lang – Ted wusste nicht, ob es nun Minuten oder Stunden oder lediglich Sekunden waren, doch in dieser surrealen Landschaft war das auch sehr schwer zu definieren – saßen die beiden einfach nur wortlos da und sahen den Regentropfen zu.

„Die meisten nennen mich einfach nur Ted,“ sagte er leise, nicht sicher, ob er es wagen wollte, das Schweigen zu brechen. Chase reagierte nicht. Er schien ihn nicht zu hören. Der Regen ließ langsam nach, und langsam aber sicher wurde die Stille bedrückend.

Als Ted aufstand und sich zum Gehen wenden wollte, nahm er von Chase ein leichtes Kopfnicken wahr. „Ich weiß,“ meinte der tonlos.

Dann versank Ted in der ungestörten Dunkelheit eines traumlosen Schlafes.



Fortsetzung folgt...


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Geschrieben am 25.09.2009 - 14:24:28
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RE: Chasing Ted

Nachdem der letzte Teil schon wieder eine Weile her ist, heut mal wieder zwei Teile... :)

RACHE

Alles, was schief gehen kann, geht schief. Murphys Gesetz.

Vielleicht verdiene ich es auch nicht besser. Diesmal ist es kein Auftrag, der mich hierher führt. Ich bin nicht für die Yakuza hier, sondern in erster Linie, um mein Verlangen nach Rache zu stillen. Wie lange ist es nun schon her? Mehr als 15 Jahre. Ich erinnere mich noch klar. An jede Einzelheit. Wie sie kamen... und ein wehrloses, verschrecktes kleines Kind zurückließen.

Meine linke Schulter schmerzt, während ich mich am nächstbesten Fenster zu schaffen mache. Ich befinde mich hier im zweite Stock. Aber ich habe keine Wahl. Es liegen bereits Sprünge aus größeren Höhen hinter mir. Ich lebe noch. Das ist Beweis genug, dass ich es schaffen kann. Noch einmal sehe ich mich rasch um. Dann empfängt mich die kühle, klare Nachtluft und ich kann nur mit Mühe einen Aufschrei unterdrücken.

Ich bin im Waisenhaus aufgewachsen. Es ist kaum ein Tag dort vergangen, an dem ich keine blauen Flecke eingesteckt hätte – sei es nun durch die Schwestern, die anderen Kinder oder Fußball. Schmerz definiert Leben, das ist eine Lektion, die ich sehr früh gelernt habe. Keine Schmerzen bedeutet Tod. Und ich habe mich entschieden. Ich lindere meinen Schmerz dadurch, dass ich anderen Leuten ihre Schmerzen vollständig nehme.

Wie oft habe ich von den Schwestern im Waisenhaus Waffenkataloge abgenommen bekommen. Wie oft habe ich dafür Schläge oder Arrest kassiert. Doch ich habe mich auch von ihnen nicht von meinem Ziel abbringen lassen. Auch von Ted nicht. Ich habe Rache geschworen für dieses desillusionierte, schmerzende Kind. Und heute habe ich sie fast bekommen. Eilig wische ich mir das klebrige Blut von den Händen. Mein Hemd ist damit wohl ruiniert. Schade.

In nächster Zeit werden sie die Sicherheitsmaßnahmen wohl verstärken. Das bedeutet Warten; doch das kann ich gut. Ich werde auf den Tag vorbereitet sein, an dem sich mir die nächste Chance bietet. Ich bringe den Tod – für manche früher, für andere später. So wie sie damals den Tod gebracht haben.

Ich weiß noch, sie haben dabei hämisch gelacht – ein Geräusch, das ich nie vergessen werde. Sie haben gerne dieses Blutbad angerichtet. Sie haben es genossen, das vor den Augen der Familie des Mannes zu tun, auf den sie angesetzt worden waren. Ein erfolgreicher Anwalt, habe ich mir erzählen lassen, der durch unglückliche Umstände in die Machenschaften der Unterwelt verstrickt worden war und aus dem Weg geräumt werden sollte. Mehrere der Polizisten, die den Tatort untersuchen sollten, verließen ihn rasch wieder. Sie schluckten schwer bei dem Anblick, der sich ihnen bot. Vielen von ihnen wich erst einmal sämtliche Farbe aus dem Gesicht und wurde durch einen zarten Grünstich ersetzt.

Bereits im Waisenhaus habe ich mir ein umfangreiches Wissen über die Schwachstellen des menschlichen Körpers angeeignet. Einmal habe ich sogar zwei ganze Wochen lang Arrest von den Schwestern bekommen, als eines der anderen Kinder nach einer Auseinandersetzung ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Mit zwölf musste ich das Waisenhaus verlassen. Bald fand ich Gönner. Von ihnen bin ich im Umgang mit Waffen unterrichtet worden.

Ich werfe noch einen letzten Blick zurück auf die große Villa, die ich gerade verlassen habe. Meine Beretta in der Hand ein versicherndes Gewicht, verlasse ich diese Gegend und verschwinde in den Schatten.


Fortsetzung folgt...


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Geschrieben am 25.09.2009 - 14:25:26
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RE: Chasing Ted

BESUCH

Ich war mir sicher, dass er sich freut. Natürlich habe ich dem Kleinen nicht gesagt, was ihn hier erwartet, deshalb ist er auch nur widerwillig mitgekommen. Ich kann verstehen, dass er das Bisschen Zeit, das ihm noch bleibt, mit seiner Babysitterin verbringen will. Sie ist wahrscheinlich die einzige, die ihn hier halten kann.

„Virginia Mason Medical Center?“ Das ist wohl eines der ersten Male, dass ich verhaltene Skepsis in seiner Stimme höre. Er fragt sich, was er hier soll. Dass er kein Mensch für Überraschungen ist, habe ich bereits sehr früh herausgefunden.

„Du nervst mit deiner ewigen Fragerei. Wenn's dir nicht passt, können wir auch gern wieder gehen.“ Ich bin zwar ein geduldiger, aber kein freundlicher Mensch, je eher er sich das einprägt, desto besser. Meine Worte haben ihn zum Schweigen gebracht. Gut.

Angstschweiß hat sich inzwischen auf seiner Stirn und sein Rückgrat hinab gebildet. Ein klein wenig freut mich diese Beobachtung, auch wenn man fast schon Mitleid mit dem Kleinen haben könnte. Er weiß nicht was ihn erwartet und doch scheint er instinktiv zu spüren, dass es etwas Wichtiges ist. Was ihn wirklich wahnsinnig macht, ist wohl die Tatsache, dass man in einer Klinik nicht rauchen darf. Gerade vorher hat ihn schon eine der Schwestern darauf angesprochen. Er hat sich bereits die dritte Zigarette angesteckt gehabt, aber so panisch habe ich noch selten jemanden sowas ausmachen sehen. Zum Glück kenne ich die Schwester nicht, so dass mir sein unverständliches Gebrabbel und sein hochroter Kopf erst einmal nicht peinlich sein müssen.

Schließlich stehen wir doch vor der Tür. Sie ist kleiner als ich sie in Erinnerung habe. Klein und weiß und schmucklos. „Da sind wir. Tritt ein, na los.“ Ich werde aus dem Kleinen nicht schlau. Ich kann deutlich sehen, wie er sich dagegen sträubt, hier zu sein. Er vertraut mir nicht, aber das kann ich ihm nicht verdenken. Und trotzdem öffnet er langsam die Tür und tritt in den kleinen Raum.

Es ist alles noch so, wie ich es in Erinnerung habe. Die Vorhänge sind geschlossen. Der kleine Tisch darunter ist ordentlich, sauber und unbenutzt. Schlichte Zimmerdekoration, mehr nicht. Der Wasserhahn tropft immer noch, nach wie vor, leise vor sich hin und wechselt sich stetig mit dem Piepsen der medizinischen Geräte ab. Die Hektik und das Leben außerhalb werden ausgeschlossen, als sich die Tür hinter uns schließt.

Vorsichtig und nur sehr langsam wagt er sich auf das große Krankenhausbett zu. Wie gebannt bleibt sein Blick auf der zierlichen Gestalt darin hängen.

Er öffnet den Mund, doch komme ich ihm zuvor. Ich will seine Stimme in diesem Moment einfach nicht mehr hören! „Deanna?“ Behutsam nehme ich ihre schlaffe kleine Hand auf. „Deanna... Besuch für dich.“

Für einen Moment bezweifle ich, ob sie mich wirklich hört. Aber im nächsten Moment nehme ich das vertraute Ansteigen der Pieps-Frequenz wahr und kurz darauf erwidert auch die gehaltene Hand meinen vorsichtigen Griff.

Mit jedem Tag, der vergeht, sieht Deanna noch zerbrechlicher und schwächer aus. Wenn das so weiter geht, fürchte ich, dass meine Dienste bald nicht mehr gebraucht werden. Deshalb bin ich wohl hier. Sie hat ihre Augen geschlossen, wendet jedoch den Kopf leicht in meine Richtung.

Als sie sie schließlich öffnet, liegt in ihren glasigen Tiefen eine seltsam klare Frage. „Besuch?“

Na los, sag was, Dummkopf! Ich habe dich sicher nicht hierher gebracht, dass du jetzt wie erstarrt dastehst.

„Die Frau aus meiner Erinnerung...“ Fast schon ehrfurchtsvoll flüstert er diese Worte. Was auch immer sie bedeuten mögen. Tu endlich was, Kleiner! Er steht immer noch einfach nur so da, sein Blick starr auf Deanna geheftet.

In meinem Magen breitet sich ein fremder, dumpfer Schmerz aus, als Deannas Augen zum ersten Mal seit langem wirklich zu sehen scheinen. Mir wird bewusst sie erkennt ihn. Wäre ich allein mit dem Kleinen, könnte ich für nichts garantieren.

Das Sprechen strengt sie sichtlich an und sie muss mehrmals ihre farblosen, gesprungenen Lippen befeuchten. „Theodore...?“ Es fällt mir zum ersten Mal in meinem Leben schwer, einfach nur geduldig dabei zu stehen. „Du bist... zu einem stattlichen jungen Mann geworden...“

„Chase... hat mir etwas von seiner Kleidung geliehen...“ Er scheint immer noch nicht zu wissen, wer da vor ihm liegt. Ich hoffe, seine Verwirrung lässt ihn nicht irgend etwas Dummes anstellen. Er sucht nach einer rationalen, logischen Antwort. Die wird er nicht finden.

Deanna nickt nur wortlos. Tränen bilden sich in ihren Augenwinkeln. Es ist das erste Mal, dass ich sie so sehe. Nach einer kurzen Stille meint sie mit erstaunlich fester Stimme, „Ist er hier? Ich möchte mich bei ihm bedanken.“

Natürlich bin ich hier. Entschlossen ergreife ich wieder Deannas Hand, umschließe sie sanft. Am liebsten würde ich ihr jetzt sagen, dass sie sich ihren Dank sonstwo hin stecken kann. Am liebsten würde ich sie anschreien. Hat sie mit mir jemals so geredet?... „Ich bin hier.“

Sie schenkt mir ein Lächeln. Und für einen Moment sieht sie nicht in mir ihren verstorbenen Ehemann. Für einen Moment ist sie nicht mehr die schwache Existenz in diesem viel zu großen Krankenhausbett. Sie ist die Frau und Mutter, die sie vor Jahren einmal war. „Danke... Dass du auf uns aufgepasst hast.“

Ich habe getan, was ich tun musste. Und nicht getan, was ich nicht tun konnte. So einfach ist das. Nichts zu danken... Und jetzt sollte besser der kleine Eierkopf wieder herkommen. „Hey, wofür hab ich dich hergebracht? Wehe, du sagst deiner Mutter nicht endlich was Intelligentes, Eierkopf!“



Fortsetzung folgt...


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RE: Chasing Ted

ÖFFNUNG

Ted klopfte erneut an die schwere, dunkle Holztür, die den Eingang zu Doktor Ethan Gaetanos Praxis bildete. Es musste ihn doch irgend jemand hören! Irgend jemand! Zumindest Miss Feynard! Schließlich schien die Sprechstundenhilfe auch sonst jede noch so winzige seiner Bewegungen wahrzunehmen. Ted hatte schon beinahe vermutet, dass sie so etwas wie ein Echolot als sechsten Sinn besaß...

Nach einer scheinbaren Ewigkeit öffnete sich schließlich doch die Tür und ein Paar durchdringender grüner Augen lugte heraus, bevor Miss Feynard Ted die Tür ganz öffnete. Wie immer eine stoische Geduld ausstrahlend, blickte sie ihn forschend an. Um ihre Augen herum jedoch konnte Ted leichte Sorgenfalten ausmachen. „Mister Laredo, was gibt es denn? Sie sehen aus, als hätten Sie einen Geist gesehen.“

In gewisser Weise hatte er das auch. „Ich muss... mit dem Doktor sprechen. Sofort! Ich habe jemanden getötet.“

Ted musste sich zurückhalten, um nicht sofort an der Sprechstundenhilfe vorbei in die Praxis zu stürmen. Immer wieder musste er sich seine Hände abwischen, die ständig aufs Neue schweißnass waren. Er hätte sich so gerne eine Zigarette angezündet, doch zitterten alleine schon seine Lippen zu sehr, um den Tabak auch nur im Mund zu behalten. Und so hatte er dieses Unterfangen sehr schnell wieder aufgegeben. Inzwischen machten sich allerdings zu allem Überfluss gewisse Entzugserscheinungen bemerkbar. War er vorher schon unkonzentriert, so fiel es ihm inzwischen schwer, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Sein Herz hämmerte in seiner Brust. Kalter Schweiß rann ihm die Wirbelsäule hinab. Seine Füße fühlten sich rastlos.

Entgeistert starrte Miss Feynard Ted einen langen Moment an, schien sich jedoch gleich darauf wieder zu fangen und wies Ted an sich vorbei hinein in den schummrig beleuchteten Gang. „Wenn Sie bitte einen Moment im Wartezimmer Platz nehmen wollen, Mister Laredo.“

Als hinter ihm die Tür ins Schloss fiel und die Sprechstundenhilfe an ihm vorbei zum Sprechzimmer rauschte, ließ das mulmige Gefühl in Teds Magengrube ein wenig nach. Wie ein nasser Sack ließ er sich auf die leere Couch des Wartezimmers fallen. Er konnte es immer noch nicht glauben! Die ganze Zeit! Die GANZE ZEIT!... Allein bei dem Gedanken wurde ihm bereits erneut übel. Die ganze Zeit hatte er, Theodore Gerald Laredo,... Weiter kam er in seinen Gedanken – die sowieso in zähem Honig zu fließen schienen – nicht.

„Ted, gut Sie zu sehen. Bitte, kommen Sie mit.“ Doktor Gaetano war persönlich im Wartezimmer erschienen und begrüßte Ted mit sorgenvollem Gesicht.

Ted erhob sich rasch und folgte Ethan in sein Sprechzimmer. Als er sich jedoch dem Doktor gegenüber setzte und dieser ihn aufmerksam ansah, wusste er nicht, wo er anfangen sollte.


Fortsetzung folgt...


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RE: Chasing Ted

FRAGEN

Da war er wieder. Chase. Ted hatte bereits auf ihn gewartet. Es regnete wieder, doch diesmal stand Ted einfach nur so da, die Hände in den Hosentaschen, die dicken Regentropfen, die vom Himmel fielen, ignorierend. Irgendwie hatte er es im Gefühl gehabt, dass er Chase wieder begegnen würde. Warum, wusste er nicht.

Er wusste nicht einmal, ob Chase vielleicht sogar nur ein Produkt seiner eigenen verworrenen Phantasie war. Ein Freund – wenn nicht real, dann konnte er sich wenigstens in seinen Träumen mit ihm unterhalten. Aber stellte Ted sich wirklich so den idealen Freund vor? War Chase überhaupt als so etwas wie ein Freund anzusehen? Besonders freundschaftlich hatte er sich Ted gegenüber nicht verhalten.

Was würde Ethan wohl aus diesen Treffen machen? Würde er Ted vielleicht sogar sagen, dass er sich insgeheim gewalttätig wirkende Freunde wünschte? Schließlich war er Psychologe, und die gaben solche 'Weisheiten' gerne von sich. Ted schüttelte den Kopf. Nein, bestimmt nicht!

„Na, Kleiner!“ sagte Chase mit einem leicht spöttischen Lächeln auf den Lippen, als er näher kam. Ted meinte eine gewisse Verschlagenheit dahinter erkennen zu können.

Jetzt, da der Andere wirklich gekommen war, hätte Ted am liebsten gehabt, wenn er wieder ginge. Er wollte ihn anschreien, dass das seine Burgruine, seine Landschaft, seine Harmonie sei, und was Chase hier überhaupt verloren hatte. Aber er tat es nicht. Er brachte keinen Ton heraus. Er hatte sogar Mühe, seine Gesichtsmuskeln zu einem schiefen Lächeln zu bewegen.

„Sag bloß, du hast auf mich gewartet!“ Chase sah Ted direkt an und zog eine Augenbraue in die Höhe, zuckte dann jedoch die Schultern und setzte sich ins Trockene unter dem Vordach, wo er letztes Mal auch schon gesessen hatte.

Ted folgte dem Anderen mit den Augen, rührte sich jedoch nicht von der Stelle. Chase schien sich nicht darum zu scheren. Stattdessen ließ er seinen Blick ausgiebig über das Gelände wandern. „Hübsch hast du's hier,“ meinte Chase schließlich nach einer Weile, „nur der Regen nervt, findest du nicht? Außerdem ist hier ein bisschen wenig los für meinen Geschmack.“

Was fiel diesem... diesem... Was fiel ihm eigentlich ein, so vollkommen unqualifiziert Teds Landschaft zu kritisieren? Wenn es ihm nicht gefiel, konnte er ja wieder gehen. Das konnte Ted nur recht sein. Doch auch das wollte ihm einfach nicht über die Lippen gehen. „Mir gefällt es hier,“ erwiderte er schwach.

„Ja ja, ist ja gut... Aber setz dich. Du machst mich nervös.“ Chase machte eine kleine einladende Handbewegung zu dem freien trockenen Platz neben sich. Ted zögerte kurz, folgte dann jedoch Chases Einladung. Er hatte sich sowieso hinsetzen wollen.

Eine Weile saß Ted einfach nur da und beobachtete demonstrativ den Regen, der nach wie vor stetig fiel. Hin und wieder sah er aus dem Augenwinkel hinüber zu Chase, doch dieser schien in seine eigenen Gedanken vertieft zu sein während seine Hände abwesend Bewegungen durchliefen, die auf Ted ein wenig wie das Laden und Zielen einer Handfeuerwaffe wirkten. Ein leiser Schauer lief ihm den Rücken hinab. Nein, er würde Chase nicht als Freund bezeichnen wollen.

Schließlich spürte Ted unvermittelt den harten Blick des Anderen auf sich. „Du weißt, dass du nicht allein hier bist.“ Ted konnte auf diese Worte hin nur zögerlich nicken. Die daraufhin entstandene Stille war tief, wenn auch nicht allzu lang, da Chase bald fortfuhr. „Wenn du nicht hier bist, spielt zum Beispiel ein Kind namens Sidney in der Ruine hier Verstecken. Hin und wieder...“ Er zuckte bei diesen Worten beinahe unbeteiligt die Schultern.

Ted wartete darauf, dass Chase fortfuhr, denn der Andere schien mehr zu wissen als er sagte. Was Ted jedoch wirklich die Kehle ein wenig eng werden ließ, war die Tatsache, dass er unaufhaltsam und doch mit einer seelenruhigen Gelassenheit auf einen Punkt hinaus zu wollen schien. Zuerst brachte er das Equilibrium in Teds Landschaft durch seine Anwesenheit durcheinander, dann erzählte er ihm von Weiteren, die hier kamen und gingen, wie es ihnen anscheinend beliebte. Was käme als nächstes? Was war hier eigentlich los?

Als er schließlich doch den Kopf hob und zu Chase neben ihm sah, meinte er in seinen Augen ein kleines Funkeln von beinahe schon sadistischer Genugtuung zu erkennen. Dieser... Er freute sich auch noch, dass Ted bei seiner kleinen Rede nicht ganz wohl war! Ansonsten jedoch zeigte er keine noch so kleine Gefühlsregung, sondern wirkte kalt und auf eine Weise seltsam konzentriert, die Ted schwer schlucken ließen.

„Es gibt auch noch andere. Ich hab sie alle schon von Weitem beobachtet,“ führte Chase schließlich seinen Gedankengang fort. „Dich hab ich auch schon von Weitem beobachtet. Eine ganze Weile schon.“ Er machte erneut eine kurze Pause, scheinbar um einen kleinen Wassertropfen, der sich auf seine Hand verirrt hatte, abzuwischen.

Dann jedoch sah er Ted direkt an, und dieser hatte den Eindruck, dass diese kalten graublauen Augen sich eisig bis in sein Innerstes bohrten. „Wenn ich jemandem zu nahe komme, töte ich ihn. Ich kenne deinen Namen, das ist der erste Schritt. Und lass dir gesagt sein, Kleiner, sollten wir uns jemals zu nahe kommen...“

Ted hatte auf diese Worte hin unwillkürlich ein paar hastige Handbreit Abstand zwischen sich und diesen Irren gebracht. Als dieser nun jedoch beinahe schon nachsichtig abbrach und den Kopf leicht schüttelte, war Ted vollends verwirrt und verängstigt. Sollte das nicht seine Harmonie-Landschaft sein? Sein eigener kleiner Raum, wo er Frieden fand? Im Moment kam es ihm ganz und gar nicht so vor!

„Glaub mir, Kleiner, hier tu ich dir nichts. Hier bist du sicher. Ist schließlich deine Ruine. Da machst du die Regeln.“ Ted meinte ein kleines Schmunzeln auf den Lippen des Anderen erkennen zu können und hielt inne. Irgendwie beschwichtigte diese kleine Gefühlsregung ihn, obwohl sie ihn zugleich zutiefst beunruhigte. Hätte er doch jetzt nur seine Zigaretten hier!

Jegliche Emotion verschwand wieder von Chases Zügen. „Ich bin der wandelnde Tod. Sobald wir uns woanders treffen, Ted, bist du dran.“ Aus dem Augenwinkel meinte Ted wahrzunehmen, wie sich seine Finger bewegten, die nicht vorhandene Waffe abfeuerten.

Die Worte hallten in seinem Kopf wider, und beinahe kam ihm dieser Moment vor wie eines dieser klischeehaften High-Noon-Duelle aus alten Western – diese Stadt ist nicht groß genug für uns beide, Fremder! Am liebsten wäre er einfach nur geflüchtet, doch wohin? Er wollte weg von diesem Menschen, der da so ruhig und völlig gefasst neben ihm saß, und doch hatte er klar im Kopf, dass hier anscheinend seine einzig sichere Zuflucht war.

Noch während seine Gedanken so von einem Ende dieser scheinbaren Sackgasse zum anderen jagten, meinte er seinen Augen plötzlich nicht mehr zu trauen. Chases ganzer Körper schien sich zu entspannen. Der Andere hatte immer noch eine Aura der Gefahr um sich, die er wohl nie ganz ablegen konnte, doch sein Blick wurde weniger hart, weniger kalt, sein Gesicht freundlicher. Einen Moment lang fragte Ted sich, wieso er die Körpersprache dieses Killers so gut zu lesen vermochte, wenn er bei den meisten anderen Menschen und vor allem bei Chiara so kläglich scheiterte, doch verwarf er diesen Gedanken sofort wieder. Momentan war diese Beobachtung nicht relevant. Er musste sich auf die relevanten Aspekte dieses Falles konzentrieren!

Chase seufzte leise. „Ich kann dich wirklich gut leiden, Kleiner. Du bist ein furchtbarer Eierkopf, aber ich unterhalte mich gern mit dir. Deshalb sag ich dir das hier auch alles.“

Ein schwacher Trost, ging es Ted durch den Kopf. Sein Gesprächspartner war ganz eindeutig psychisch völlig falsch gewickelt, wahrscheinlich unberechenbar. Und trotzdem glaubte Ted seinen Worten, aber das eine schloss das andere ja auch nicht zwangsläufig aus. Man konnte verrückt sein und trotzdem die Wahrheit sagen. Das machte alles nur noch unheimlicher.

„Erinnerst du dich eigentlich an das Waisenhaus?“

Ted fragte sich, wie Chase so unvermittelt auf dieses Thema kam und was das wohl mit allem zu tun haben mochte. Vielleicht gar nichts, schließlich war er ja gerade zu dem Ergebnis gekommen, dass er es hier mit einem Psychopathen zu tun hatte. Zu mehr kam er jedoch nicht in seinen Gedankengängen, da Chase bereits weiter ausführte.

„Wir sind beide Waisen, das wissen wir ja inzwischen voneinander. Ich erinnere mich noch ziemlich gut. Damals hätte ich im Traum nicht gedacht, dass wir zusammen aufgewachsen sind. Sind wir aber. Erinnerst du dich?“ All das sagte er in einem erschreckend unbeteiligt scheinenden, völlig leidenschaftslosen, neutralen Ton, wobei seine Augen direkt auf Ted ruhten.

Ted fühlte sich unter Chases hartem Blick, als würde er mit einem extrem scharfen Skalpell fein säuberlich seziert werden. Was für eine Reaktion wurde von ihm erwartet. Seine Gedanken rasten in seinem eigenen Kopf an ihm vorbei. Dieser... Killer soll mit ihm aufgewachsen sein? Daran würde er sich doch auf jeden Fall erinnern, auch wenn er sonst nicht mehr sonderlich viel wusste! „Ich erinnere mich ni...“

„Du erinnerst dich nicht, weil du nicht da warst, wenn ich es war. Und ich war nicht da, wenn du da warst,“ fiel der Andere ihm erbarmungslos ins Wort. „Inzwischen weiß ich es. Und du weißt es jetzt auch. Ich kann dich wie gesagt gut leiden, aber das hindert mich nicht daran, dir diese Warnung zu geben. Früher oder später wirst du nicht mehr da sein. Du weißt, ich bin der stärkere von uns beiden.“

Ohne auf eine weitere Reaktion zu warten stand Chase auf und überließ Ted seiner Landschaft.


Fortsetzung folgt...


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Geschrieben am 03.10.2009 - 12:08:51
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RE: Chasing Ted

EPILOG 1

Es war ein sonnig-warmer Spätsommertag und auf einigen der Gesichter der traurigen kleinen Prozession, ganz in Schwarz gekleidet, war neben Schwermut und Trauer – bei ein paar sogar Tränen – auch ein leichter Schweißfilm zu erkennen. Kaum ein Lüftchen wehte hier, und trotz des heiteren Wetters trug diese bald schon stickig-erdrückende Stille nur zur Stimmung auf dem verlassenen Lake View Friedhof bei.

Ted hatte den Schock noch immer nicht ganz verarbeitet. Vor nicht einmal einer Woche hatte er Deanna wieder getroffen – seine eigene Mutter, von der er all die Jahre nicht gewusst hatte, dass sie noch lebte. Er hatte sich mit ihr unterhalten. Er war überglücklich in ihren Armen gelegen, während Freudentränen seine Wangen hinunter liefen. Endlich hatte er sie wieder gehabt. Nur um sie gleich wieder zu verlieren. Wieso?

Seit zwei Tagen stellte er sich diese Frage jetzt. Seit er den Anruf erhalten hatte. Er hatte seine Mutter zweimal verloren. Das zweite Mal war nur umso schlimmer gewesen. Er hatte weder schlafen noch essen können. Die meiste Zeit hatte Chase ihm Gesellschaft geleistet. Sidney war in diesen knapp 48 Stunden für ihn draußen gewesen. Chiara hatte Ted erzählt, er hatte entweder geschlafen oder sich in ihren Armen ausgeweint. Er konnte froh sein, dass er Chiara hatte. Sie hatte für ihn die ganzen Vorbereitungen für die Beerdigung in die Hand genommen.

Die versammelten Trauernden waren nicht viele. Es waren hauptsächlich Angestellte der Klinik anwesend, der Priester natürlich, Ted, Chiara, Ethan, und ein paar andere Leute, die Ted allerdings nicht kannte. Chase meinte, er kenne sie flüchtig.

Der Gottesdienst war klein aber fein gewesen. Vor allem, da er doch so kurzfristig organisiert worden war, „Sagt meinem Sohn, dass alles gut wird.“ Das waren Deannas letzte Worte gewesen; das hatte auch der Priester gesagt. Sie war jetzt an einem besseren Ort. Inzwischen kannte Ted Chases Ansichten zum Tod, doch er wollte gerne glauben, dass seine Eltern jetzt wieder vereint waren, in einer anderen Welt. Von Chase hatte Ted ein paar Geschichten über Deanna gehört, und auch wenn er sich nicht daran erinnern konnte, gaben sie ihm doch eine gewisse innere Freude, einen kleinen Teil seiner Mutter, den er im Herzen tragen konnte. Der Priester hatte nicht viel davon erzählt, und Ted fragte sich, wie gut wohl die anderen Anwesenden seine Mutter gekannt hatten. Doch sie schienen alle aufrichtig Anteilnahme am Tod Deannas zu zeigen, und so schloss Ted, sie würden es verstehen, wenn er an diesem Tag für sich blieb. Und er war froh, wenn er nicht der Form halber Unterhaltungen führen musste.

Auch wenn er es nicht ganz verstand, warum ihn der Verlust dieser Frau, die er nur so kurz gekannt hatte, so sehr mitnahm, konnte er doch erahnen, dass ein paar der Anderen sie besser gekannt hatten. Wie sehr es sie schmerzte, jetzt hier an ihrem Grab zu stehen, vermochte er wohl trotzdem nicht ganz zu begreifen. Sidney weinte. Giovanni redete wie ein Wasserfall auf Italienisch. Chase war unnatürlich ernst und zurückgezogen. Sie alle trauerten auf ihre Art. Er auf seine.

Krampfhaft hielt er Chiaras Hand umklammert – nur ein letztes Mal wollte er sie noch spüren – und starrte auf den glänzenden, tiefschwarzen Sarg. Diese tiefe Schwärze schien lebendig, schien sich auszudehnen. Wie ein fernes Flüstern meinte Ted noch das Wort Grabrede von irgendwoher zu vernehmen, doch von Weitem hörte er bereits kühlen Regen auf verwitterten, moosbewachsenen Stein tropfen. Der Sarg wuchs an, nahm sein ganzes Gesichtsfeld ein. Er umschloss ihn, kalt und dunkel. Tiefschwarz. Ted schloss die Augen.


Fortsetzung folgt...


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Geschrieben am 03.10.2009 - 12:11:34
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RE: Chasing Ted

EPILOG 2

Als ich die Augen öffne, finde ich die Blicke der ganzen versammelten Gemeinde auf mir. Reflexartig wandert meine Hand zu meiner Beretta, als ich leicht irritiert merke, dass ich ins Leere greife. Ein kurzer prüfender Blick an mir hinab zeigt mir, dass ich einen schwarzgrauen Anzug trage. Ted, wieso tust du so was? Verschwindest einfach im ungünstigsten Moment und lässt mich die Scheiße ausbaden!

„Psst, Ted,“ flüstert Chiara Garibaldi neben mir, „deine Grabrede...“

Grabrede? Ted, du Weichei! Na gut, dann wollen wir mal. Soll mir nur recht sein! Langsam, vorsichtig nähere ich mich dem Loch in der Erde, in das Deannas Sarg hinab gelassen worden ist. Ich spüre die Blicke aller in meinem Rücken. Bei jedem Schritt, den ich mache. Am Erdloch angekommen drehe ich mich um und sehe mich um.

Ich sollte mich besser unauffällig benehmen. Einige der Leute hier kenne ich. Für ein paar habe ich bereits Jobs erledigt. Einer schuldet mir noch Geld. Was die hier wollen, weiß ich auch nicht. Ted kennt sie nicht, also besser nicht zu lange hin sehen.

Ich entdecke Sally, ihre sanften Kurven von dem schlichten schwarzen Kleid vielversprechend betont, und lasse meinen Blick auf ihr ruhen, während ich die richtigen Worte suche. Was würde Ted wohl sagen? Ich weiß es nicht. Ich werde aus dem Jungen nicht schlau! Immer noch spüre ich die ganzen erwartungsvollen Blicke auf mir. Vor allem Sallys Blick. Eine Träne rinnt ihre Wange hinunter. Ich kann nur wortlos zusehen, gebannt.

Mit einem Mal spüre, mehr als sehe oder höre ich den Priester neben mir erneut ansetzen. Die anhaltende Stille scheint ihn ein wenig nervös zu machen. „Lasset uns beten, bevor wir die Grabrede beginnen.“ Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie er die Arme ausbreitet, Handflächen nach oben. In einem Singsang stimmt er das Vaterunser an.

Das Gebet überfällt mich wie ein Déjà-vu, und blinzelnd sehe ich kurz zum Priester hinüber. Er nickt mir mit einem leichten Lächeln auf den Lippen zu. Dafür muss ich ihm wohl dankbar sein. Ich lächle schwach zurück, bevor ich rasch die Hände falte und diejenigen Worte spreche, die mir jedes Mal vor einem Auftrag über die Lippen gehen. Der beruhigende und erdende Effekt tritt auch dieses Mal wie erwartet ein.

Als der Priester verstummt, nicke ich ihm nochmals zum Dank zu. Dann lasse ich meine Augen auf Deannas Sarg ruhen. Diese Frau ist auch meine Mutter gewesen. Jetzt hat ihr Leiden ein Ende. Aber wieso freute ich mich dann nicht?

„Ich bin kein Mensch der vielen Worte... Deanna war eine Frau, deren freundliche Art man sehr schnell ins Herz schließen konnte.“ Bei dem Gedanken an das Leuchten in ihren Augen muss ich unfreiwillig lächeln. „Und auch wenn sie die ganzen letzten Jahre mehr in ihrer eigenen Welt gelebt hat, war sie doch immer für einen da, wenn es wichtig war.“ Auf ihre ganz eigene Art. Sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen, auch wenn ich es ungern zugebe. „Danke, dass doch so viele Menschen heute aufgekreuzt sind.“

Ich schaufele noch ein wenig der vorbereiteten Erde auf den Sarg und nehme dann Teds Platz neben Chiara Garibaldi ein.


*** THE END (?) ***



So, damit wären wir am Ende der Geschichte und ich bin sehr gespannt auf euer Feedback. Was hat euch gefallen? Was nicht? Was haltet ihr von den Charakteren? Wie seid ihr mit der achronologischen Erzählweise zurecht gekommen? Was waren/sind sonst so eure Gedanken dazu? Tomaten/faule Eier?


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Geschrieben am 22.10.2009 - 16:53:59
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RE: Chasing Ted

So jetzt habe ich es endlich mal geschafft die Geschichte zu lesen. (Kenne keinen schlechteren Leser als wie meiner Einer Blushing) Habs in einem Zug durch gelesen, und es hat `ne Weile gedauert bis ich Chase und Ted in Einklang bringen konnte. Die achronologische Erzählweise die Du verwendet hast ist recht anspruchsvoll, wie ich finde. Man wird immer hin und her geworfen was den Blickwinkel des Erzählens angeht. Bedrohlich finde ich die Story, das man selbst vielleicht mal so wird und „zwei Seelen in einem Kopf“ wirken. Aber Fazit: Hut ab! Thumb Up Cool


Hello, Oompa Loompas of science.
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Geschrieben am 23.10.2009 - 00:25:54
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RE: Chasing Ted

na sag ich ja: hut ab!
wiederhol ichs noch mal jetzt wo die gesammte story gepostet ist Flowers


HOWARD: We add Bluetooth!
SHELDON: Brilliant. Men love Bluetooth.
PENNY: Wait a minute,wait a minute,you want to make a hair barrette with Bluetooth?
SHELDON: Penny, everything is better with Bluetooth.
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RE: Chasing Ted

Darf ich ehrlich sein?

Ich finde die Story zu lang, auch stört mich der allzu erkennbare Versuch, "mal was anderes" zu schreiben. Ich komme in die Geschichte nicht rein, sie ist zäh, finde ich.
Würdest du sie auf vielleicht ein Drittel kürzen, dürfte das eventuell den Lesefluss sehr positiv beeinflussen.
Wie schon Tucholsky schrieb: "Hauptsätze, Hauptsätze, Hauptsätze!" und "..wat jestrichen is, kann nich durchfalln."
Adjektiv- und Adverbüberladene Stories sind wie ich finde, recht typische Eigenarten von Amateuren, die diversen FanFic-Portale sind voll mit solchen Sachen. Der Versuch "Kunst" zu schaffen, geht meistens schief. Konzentration auf die Handlung, den Konflikt, die Wende ist meist besser als umständliches Beschreiben.
Bitte jetzt nicht hauen.
Flowers


My 127.0.0.1 is my castle.
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Geschrieben am 23.10.2009 - 21:45:26
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RE: Chasing Ted

@Leonard und SpiderHomer: Vielen lieben Dank! Smile Freut mich sehr, dass euch die Story gefällt.

@Reling: Natürlich darfst du ehrlich sein, ansonsten hätte ich die Story nicht in ein Forum gestellt. Bin immer froh über jegliche konstruktive Kritik. Flowers

Was ich sehr interessant finde, ist, dass ich von anderen (allerdings allesamt weiblich - ich denke, da ist die Schwäche für Beschreibendes und Adjektive/Adverbien größer Wink Kiss ) schon gehört habe, dass ich die Story doch noch ausbauen soll, anstatt zu kürzen.

Allerdings stimme ich in der Regel auch mit dir (und einem meiner persönlichen Favoriten: Hemingway) überein - jedes Wort, das nur schmückt, kann weg. "Chasing Ted" hat inzwischen 4-6 Jahre auf dem Buckel und ich weiß auch, dass gerade der bisweilen verschwenderische Umgang mit ausschmückenden Adjektiven und Adverbien eine meiner Schwächen beim Schreiben ist. Da arbeite ich sehr an mir - solltest du da in Zukunft keine Besserung entdecken können, sag's mir bitte.

Einzig Tucholsky muss ich da ein bisschen widersprechen - abwechslungsreicher Satzbau (also Haupt- UND Nebensatz-Gebilde) machen einen Text interessanter, IMHO. Obwohl ich auch da meine, das ein wenig besser dosieren zu können.

So, jetzt aber zu deinem ersten Punkt. Die Story an sich ist zu Studienzeiten entstanden - angefangen, als ich gerade in die Lesarten der postmodernen Literatur eingeführt wurde. Ganz streng genommen ist sie da eher ein Versuch, es so zu machen wie die anderen. Wink Kiss Dass sie aufgrund dessen konstruiert wirken kann, ist möglich - ich muss gestehen, ich hab da inzwischen zu viel Herzblut rein, um das objektiv sagen zu können (einfach, weil ich ja auch die ganze Hintergrund-Story und alles kenne) - deshalb bin ich umso dankbarer für Feedback. Smile

Liegt das, dass du in die Story nicht rein kommst, nur am für dich zähen Schreibstil? Oder an der erzählten Handlung und den Charakteren auch?


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Geschrieben am 23.10.2009 - 23:26:06
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RE: Chasing Ted

Das sind Dinge, die ich beim Lesen nicht intellektuell hinterfrage.
Ich beginne zu lesen und wenn es "nicht klickt", dann tut es das halt nicht.
Erfolgreiche Geschichten und/oder Romane beginnen imo eigentlich immer sofort. Mit einem Knaller, mit einem gelungenen Einsteig, der den Leser sofort und unmittelbar packt.
Da sind aber auch rein faktisch Brüche. Wir lesen etwa "...richtete ich mich aus der Hocke auf". Wieso? Steht da vorher, dass die Person in die Hocke gegangen ist? Nein.
Was passiert da: jemand betet, ergreift eine Schusswaffe (Schalldämpfer ist überflüssig und zudem sachlich unkorrekt beschrieben - schallgedämpfte Schüsse pfeifen nicht, sie knallen immer noch laut) und tötet eine Person.
Toller Anfang, da ist was los - nur kommt diese Action nicht rüber sondern geht unter vielen Worten unter.
Dahinter steht meist die Idee, dem Leser alles was dieser denken soll, genau vorzuschreiben. Ich denke aber, dass es besser ist, wenn die Story sich im Kopf des Lesers abspielt.
Kürzer wäre zB:
Wenn ich töte, bete ich. Das Beten ist ein stabiler Punkt in meinem Leben. Stabil wie die Waffe in meinen Händen. Beretta, Polizeimodell. Mein Ziel war ein schlafender Mann.
Das Opfer hörte den Knall nicht mehr, die Kugel zerfetzte sein Gehirn schneller als dass er es noch hätte wahrnehmen können. "...und erlöse uns von dem Übel. Amen."

Ich will jetzt nicht behaupten, das wäre besser, bitte missverstehe mich nicht. So ist das schnell und es spricht die Fantasie des Lesers an. Nur mal so fix zusammen gekürzt, um zu schauen, wie die Anfangsszene wirken könnte, wenn sie straff erzählt wird.

Aber ich gebe zu, ich bin nicht so der künstlerische Literaturspezi. Eher der Mann für die Action, für die Gebrauchsliteratur. :-)


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Geschrieben am 24.10.2009 - 01:38:55
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RE: Chasing Ted

Reling hat geschrieben:
Das sind Dinge, die ich beim Lesen nicht intellektuell hinterfrage.
Charaktere und Plot? Echt? Wow... Ich finde das ja immer das Greifbarste. Wenn mich keiner der Charaktere in einem Buch anspricht, kann es noch so gut sein, aber ich investiere da keine weiteren Emotionen rein...

Reling hat geschrieben:
Erfolgreiche Geschichten und/oder Romane beginnen imo eigentlich immer sofort. Mit einem Knaller, mit einem gelungenen Einsteig, der den Leser sofort und unmittelbar packt.
Da wage ich zu widersprechen. Und wage zu behaupten, dass diejenigen Bücher, die wirklich Erfolg haben und auch mal Zeit überdauern, ganz oft nicht mit einem Knall beginnen, sondern eben eher langsam. IMHO ziehen sie den Leser auch ins Buch, so richtig. Spontan fallen mir da Umberto Eco oder Paul Auster ein, aber genauso Hemingway, Melville oder sogar William Gibson.

Reling hat geschrieben:
Da sind aber auch rein faktisch Brüche. Wir lesen etwa "...richtete ich mich aus der Hocke auf". Wieso? Steht da vorher, dass die Person in die Hocke gegangen ist? Nein.
Nein, aber er war schon in der Hocke, als die Erzählung eingesetzt hat? Ich sehe da keinen faktischen Bruch, einzig eine nachgereichte Information, was in Romanen IMHO sehr häufig vorkommt.

Reling hat geschrieben:
(Schalldämpfer ist überflüssig und zudem sachlich unkorrekt beschrieben - schallgedämpfte Schüsse pfeifen nicht, sie knallen immer noch laut)
Okay, danke, das ist gut zu wissen. Ich hab mein Wissen in der Hinsicht aus Film und Fernsehen...

Reling hat geschrieben:
Dahinter steht meist die Idee, dem Leser alles was dieser denken soll, genau vorzuschreiben. Ich denke aber, dass es besser ist, wenn die Story sich im Kopf des Lesers abspielt.
Au contraire. Dahinter steht vor allem die Idee, dem Leser auch schon etwas über den Charakter zu sagen, ohne in zu faktenlastige Beschreibungen auszuarten. Für mich ist die Handlung an sich gerade auch in diesem ersten Prolog erst einmal zweitrangig - ich möchte dem Leser eine erste Idee geben, wie der Erzähler tickt. Dass man eine Story einem Leser niemals vorkauen sollte, da bin ich mit dir völlig einer Meinung - aber ihn in eine bestimmte Richtung lenken (sei es durch einen unzuverlässigen Erzähler oder das Nennen bzw Weglassen bestimmter Fakten)...

Reling hat geschrieben:
Kürzer wäre zB:
Wenn ich töte, bete ich. Das Beten ist ein stabiler Punkt in meinem Leben. Stabil wie die Waffe in meinen Händen. Beretta, Polizeimodell. Mein Ziel war ein schlafender Mann.
Das Opfer hörte den Knall nicht mehr, die Kugel zerfetzte sein Gehirn schneller als dass er es noch hätte wahrnehmen können. "...und erlöse uns von dem Übel. Amen."
Das wäre jetzt für mich noch ein sehr 2-dimensionaler Charakter, soweit ich überhaupt in seinen Kopf komme oder etwas über ihn erfahre, mit dem ich mir ein Bild machen kann. Und ich glaube nicht, dass das bei Gebrauchsliteratur und "künstlerischer Literatur" so unterschiedlich ist?...
Aber jetzt muss ich dich mal ganz ehrlich fragen, wie viel sagt uns das über den erzählenden Charakter? Klar, kürzer geht immer, aber irgendwann verliert man auch den "unique and single effect" (E.A.Poe), den man eigentlich erzielen möchte - und ich hätte sicher für das, was ich eigentlich erreichen wollte, auch einige Wörter weglassen können, aber IMHO bestimmt nicht so viele...


Charlie Kaufman: Here you go. The killer's a literature professor. He cuts off little chunks from his victims' bodies until they die. He calls himself "the deconstructionist".
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